Ich habe ziemlich bewusst nach Romanen aus Afrika gesucht. Nicht zufällig, nicht nebenbei. Ich wollte verstehen, wie sich Orte, Landschaften und Geschichten anfühlen. Nicht über Sachbücher oder Dokus, sondern über Figuren, Situationen und Stimmen.
Dabei sind mir ein paar Bücher begegnet, die geblieben sind.

1. Tor der Tränen von Abdourahman Waberi
Dieses Buch hat mich sofort gepackt, weil es so nah an der Gegenwart ist.
Die Region rund um Dschibuti, die Meerenge Bab al-Mandab. Ein Ort, den man sonst höchstens aus den Nachrichten kennt. Im Roman bekommt das alles plötzlich eine Form. Politische Spannungen, Einflüsse von außen, Bewegungen zwischen Afrika und der arabischen Welt.
Beim Lesen merkt man schnell, dass das kein abstrakter Ort mehr ist.
Mehr zum Hintergrund dieses Ortes findest du hier: Tor der Tränen
2. Geboren mit Sand in den Augen von Mano Dayak
Hier ist es die Sahara, die alles bestimmt.
Nicht als Kulisse, sondern als etwas, das die Geschichte trägt. Orientierung, Bewegung, Überleben. Alles hängt an der Landschaft. Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, dass nicht die Figuren die Geschichte lenken, sondern die Wüste selbst.
Das macht den Roman für mich zu einem der eindrücklichsten, wenn es um Romane aus Afrika geht.
Land: Mali
Verlag: Unionsverlag


3. Imani von Mia Couto
Bei diesem Buch ist es vor allem die Sprache.
Sehr ruhig, fast unauffällig und trotzdem unglaublich präzise. Ich bin immer wieder an einzelnen Sätzen hängen geblieben. Es passiert gar nicht so viel im klassischen Sinne, aber die Art, wie erzählt wird, zieht einen komplett hinein.
Ein Buch, das man eher langsam liest.
Land: Mosambik
Verlag: Unionsverlag
4. Rafiki von Meja Mwangi
Ganz anders und genau deshalb so gut.
Stellenweise wirklich witzig, ironisch und gleichzeitig sehr genau beobachtet. Man schmunzelt den Roman hindurch und findet sich bei Rafiki in einer ganz anderen Art zu leben und einem anderen Blick auf die Welt wieder. Diese Mischung fühlt sich überhaupt nicht konstruiert an, sondern lebendig. Man merkt, dass hier jemand erzählt und nicht einfach nur schreibt.
Land: Kenia
Verlag: Peter Hammer


5. Ein Afrikaner in Grönland von Tété-Michel Kpomassie
Schon die Ausgangsidee ist ungewöhnlich.
Ein Mann aus Togo reist nach Grönland. Und plötzlich verschiebt sich die Perspektive komplett. Nicht Europa schaut auf Afrika, sondern ein Afrikaner blickt auf eine völlig fremde Welt.
Genau dadurch entsteht ein Blick, den man so selten bekommt.
Land: Togo
Verlag: Piper Taschenbuch
Was diese Bücher gemeinsam haben
Was mich an diesen Romanen begeistert, ist nicht nur, dass sie aus Afrika kommen.
Sondern dass sie Orte greifbar machen, die vorher weit weg waren. Landschaften, Regionen, Lebensweisen. Nichts wird übererklärt und trotzdem versteht man mehr.
Vielleicht ist genau das das Besondere an afrikanischer Literatur.
Mehr dazu findest du hier:
→ Afrikanische Literatur

Schreibe einen Kommentar