Lesotho: Die Legende Chaka Zulu

Lesotho Roman Chaka

„Chaka Zulu“ von Thomas Mofolo aus dem heutigen Lesotho gilt als erster Roman in einer afrikanischen Sprache. Chaka ist eine Legende, die das Volk der Zulu im südlichen Afrika zu einem der gefährlichsten Völker in Afrika machte.

Schreiben auf Afrikanisch

Bei afrikanischen Autoren wird oft mit erwähnt, in welcher Sprache sie die Romane verfassen. Ngũgĩ wa Thiong’o aus Kenia publiziert zum Beispiel seit 1978 bewusst in seiner Muttersprache Kikuyu, denn Dekolonialisierung müsse auch im Geiste stattfinden. Wenn die Jugend in Afrika nur Englisch und Französisch lese, erwecke es den Eindruck, Wissen komme aus Europa. Ngũgĩ will über die Sprache das Selbstbewusstsein und mit Übersetzungen in andere afrikanische Sprachen den Zusammenhalt in Afrika stärken.

Auf der anderen Seite steht unter anderen Chinua Achebe, der bewusst auf Englisch schreibt. Sein Roman “Things fall apart” von 1958 gehört zu den meistgelesenen afrikanischen Romanen. Er wurde zwar nicht in die Muttersprache des Autors übersetzt, aber in 50 andere internationale Sprachen. Achebe unterscheidet zwischen Romanen in nationalen und ethnischen Sprachen. Romane auf ethnischen Sprachen wie zum Beispiel Igbo oder Yoruba können nur von diesen Ethnien gelesen werden, Englisch hingegen von der ganzen Welt.

Chinua Achebe
Chinua Achebe Zitat | Foto von Samuel Regan-Asante

Erster Roman auf Afrikanisch

Thomas Mofolo aus Lesotho ist ein ganz anderer Fall. Er reichte sein auf Sesotho verfasstes Manuskript von “Chaka Zulu” bereits 1910 ein und gilt als einer der ersten afrikanischen Autoren, die in ihrer Muttersprache schrieben. Der Verlag veröffentlichte den Roman allerdings erst 1925. Als Ursache für die Verspätung gibt es verschiedene Gründe, unter anderem die Sprache und die subtile Kritik an Weißen im Roman. Ein weiterer Grund, der angeführt wird, ist Mofolos Ehebruch, für den er in seiner kirchlichen Umgebung in Ungnade fiel.

Der Werdegang Thomas Mofolos war sehr christlich und kirchlich geprägt. Er ging auf Missionsschulen, jeden Sonntag in die Kirche und veröffentlichte seine Romane beim Missionsverlag. Der christliche Hintergrund des Autors zieht sich auch durch den Roman. In einigen Deutungen wird Chaka als Antichrist beschrieben. Nach dem Streit über die Veröffentlichung von “Chaka Zulu”, seinem vierten und letzten Roman, gab Mofolo seine Autorenkarriere auf. Er starb 1948 im heutigen Lesotho – da war Achebe erst 18.


Der Zulu-König Chaka

Der Roman handelt von der Person Chaka, die eine Legende im südlichen Afrika ist. Chaka wurde um 1787 geboren und hatte keinen leichten Start im Leben. Da er ein uneheliches Kind war, nahm ihn sein Vater Senzangakhona auf Druck des Volkes nicht als offiziellen Erben an und verjagte seine Mutter Nandi. Von Gleichaltrigen geschlagen und schikaniert, lernte Chaka früh zu kämpfen.

"Ich glaube, keines Menschen Leben ist so sehr vom Dunkel umhüllt wie das Leben Chakas."
Mofolo

Er lernte sich zu wehren und zurück zu schlagen. In seinen ersten Heldentaten rettete er das Volk vor einem Löwen und bewahrte ein Mädchen davor, nachts von einer Hyäne verschleppt zu werden. Daraufhin sang das Volk die ersten Loblieder auf Chaka und in ihm wuchs der Wunsch, Häuptling zu werden.

Chaka-Verkleidung mit Assegai | Bild von Mack SA

Zauber und Medizin

Unterstützt wird Chaka von dem “Ngaka”, Zauberdoktor Isanusi und seinen Gehilfen Ndlebe und Malunga. Isanusi geht mit Chaka einen Pakt ein: Er wird ihm helfen, die Häuptlingschaft und ewigen Ruhm zu erlangen, wenn der neue Häuptling im Gegensatz Isanusis Wünschen zur Verfügung steht. Die Aufgabe seines Gehilfen Ndlebe ist, Chaka die neuesten Nachrichten zu überbringen, bevor ein anderer im Volk sie hören kann. Malunga rüstet Chaka und seine Regimenter währenddessen mit einer Zaubermedizin aus.

Aufstieg und Untergang

Das Volk der Zulu zählte laut Mofolo vor Chaka zu den schwächsten Volksstämmen, Chaka führte das Heer der Zulu-Krieger zu einer noch nie dagewesenen Größe. Während seiner Anfangsjahre als Krieger und seiner ersten Häuptlingsjahre wird er zum geliebten Volkshelden. Im Roman ist es Chaka, der den Zulu ihren Namen “Mazulu” (Himmel, die Himmlischen) verleiht.

Doch nach und nach verstrickt sich Chaka immer mehr in seiner eigenen Wahrnehmung, in Lügen und Grausamkeiten – gegenüber den Gegnern und seinem eigenen Volk. Er wird zur Bestie. Dies war auch die Zeit, in der sich Teile des Volkes gegen Chaka erhoben – der sie wiederum dafür jagte. Die vor den Zulu-Kriegern fliehenden Gegner hinterließen auf ihrer Flucht Verwüstung und verbrannte Dörfer, sodass Chaka sich nicht der Menschen oder des Viehs bemächtigen konnte.

Auch einige Regimenter aus den eigenen Reihen stellten sich gegen Chaka und flohen oder desertierten. Darunter war Manukuzu, Anführer eines Chaka-Regiments. Er soll der Vater des in unter anderem Mosambik wütenden Kriegsherren Gungunyana gewesen sein.

Die Zeit der kriegerischen Unruhen zwischen 1817 und 1840 wird auch “Mfecane” genannt. Menschen versteckten sich in Höhlen, um den Kriegern Chakas sowie den vor ihm fliehenden Völkern nicht zu begegnen. Eine Dürre und Hungersnot in dieser Zeit führte in einigen Teilen zum Kannibalismus. Chaka starb während der “Mfecane” im Jahr 1828.

"Skandalgeschichten gehen nie aus, anders als Brot."
Sotho-Sprichwort

Neue Kriegsführung

Was machte Chaka als Zulu-Häuptling so furchteinflößend? Er perfektionierte früh eine neue Art des Kampfes und stellte die Gegner mit einem kurzen Assegai im Nahkampf. Der Assegai ist ein traditioneller langer Speer mit einer Klinge an der Spitze, doch Chaka machte ihn zu einer Nahkampf-Waffe, auf die seine Gegner nicht vorbereitet waren. Zusätzlich stellte er neue Regeln für seine Regimenter auf:

  1. Malunga verabreichte Chakas Regimentern jeden Morgen eine Medizin, die den Kriegern ihr Mitgefühl nahm.
  2. Chaka schaffte die Beschneidung ab. Junge Krieger brauchten keine Initiation, sie lernten alles in den verschiedenen Stufen der Ausbildungsregimenter. Da alles auf den Krieg ausgelegt war, durften die Krieger in der Ausbildung auch keine Frauen treffen.
  3. Auch die ausgebildeten Krieger durften nicht heiraten. Nur bewährte Krieger konnten sich nach ihrem Dienst eine Frau nehmen und Kinder zeugen. Entweder hatten sie es sich verdient und Chaka zahlte das Heiratsvieh oder sie hatten nichts Außergewöhnliches geleistet und mussten es selbst aufbringen.
  4. Jeder Krieger erhielt einen Assegai für den Nahkampf. Sie durften die Waffe nicht aus der Hand nehmen oder werfen und jeder Krieger musste mit seinem Assegai zurückkehren. Zusätzlich war er verpflichtet, auch die Waffe des Gegners mitzunehmen und vorzuzeigen.
  5. Jeder lebende Gegner wurde Teil des Zulu-Heeres. Die Gegner hatten die Wahl, sich den Zulu anschließen oder auf der Stelle zu sterben. So wuchs das Volk der Zulu unter Chakas Herrschaft auf etwa 250.000 Menschen.

Chaka ist noch heute ein Nationalheld im südlichen Afrika. Der internationale Flughafen in Durban (Südafrika) ist nach ihm benannt, es sind aktuell neue Chaka-Statuen und eine US-Serie von Antoine Fuqua über den König Chaka Zulu in Planung.


Über Lesotho

Das Königreich Lesotho liegt komplett von Südafrika umschlossen und ist etwa so groß wie Belgien. Besonders ist, dass das gesamte Land auf über 1000 Meter liegt. Daher heißt es auch das “Königreich im Himmel”. Seit der Unabhängigkeit 1966 wird Lesotho von einem König repräsentiert.

Drakensberge in Lesotho

Die Drakensberge (in Lesotho Maloti genannt) sind das höchste Gebirge im südlichen Afrika. Sie liegen im Osten Lesothos an der Grenze zur südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal. Ihr höchster Berg “Thabana Ntlenyana” (3482 m) befindet sich in Lesotho. Traditionelle Bergtouren führen heute auf den Spuren der Zulu durch die Drakensberge.

Da ihre Struktur von Felsen geprägt ist, nennen die Zulu die Drakensberge auch „Wand der aufgestellten Speere“. Ein Großteil der über elf Millionen Zulu leben heute in der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal und dessen Distrikt “Zululand”.

Drakensberge Lesotho
Drakensberge in Lesotho | Bild von photomaniac54

Die Basotho in Lesotho

Die zwei Millionen Einwohner Lesothos bestehen heute fast ausschließlich aus dem Volk der Basotho. Dem Häuptling Moshoeshoe I gelang es um 1820, das Volk der Basotho zu einen und sich gegen die Zulu sowie gegen die Besitzansprüche der Buren zu wehren. (Nach Moshoeshoe I ist der internationale Flughafen in Lesothos Hauptstadt Maseru benannt.)

Ab 1830 rückten immer mehr Buren in das Gebiet der Basotho vor. Die niederländisch-, deutsch- und französischsprachigen Siedler waren auf der Suche nach Land in Südafrika. Nach einigen Kriegen zwischen den Buren und den Basotho griff Großbritannien ein und machten Basutoland zur britischen Kolonie. 1966 wurde Lesotho unabhängig.

Basotho-Musiker | Bild von Lynn Greyling
Diese Ausgabe erschien 2000 beim Unionsverlag in Zürich.
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