Sambia: Authentische Charaktere im Patchwork

Sambia Roman

Ellen Banda-Aaku aus Sambia hat es sich zur Aufgabe gemacht, Charaktere besonders authentisch zu schreiben. In “Patchwork” von 2011 erzählt ein neunjähriges Mädchen, das nicht immer sympathisch ist. Und das lügen kann, dass sich die Balken biegen.

Authentisches Sambia

Ellen Banda-Aaku begann ihre Autorenkarriere erst relativ spät mit fast 40 Jahren. Ihr erstes Buch veröffentlichte sie 2004. Grund dafür war, dass es keine schriftstellerischen sambischen Vorbilder für sie gab. In einem Interview erklärt sie, dass sie zwar Zugang zu vielen Büchern hatte, darunter auch afrikanische aus Südafrika, Nigeria und Kenia… Aber sambische Schriftsteller und Schriftstellerinnen waren nicht sichtbar.

Nachdem sie sich 2004 mit einer Kindergeschichte für den Macmillan Prize for African Writing bewarb und diesen gewann, veröffentlichte sie sechs weitere Kinderbücher. Sie machte die Erfahrung, dass viele anglophonen afrikanischen Kinderbuchautoren in Einklang mit pädagogischen Richtlinien der Ministerien schrieben. Diese fördern Lesematerial für Schulkinder, was den lukrativsten Markt ausmacht. Denn aufgrund der Armut im Land gibt es nur wenige Buchläden und die Autoren sind auf die Förderung angewiesen.

Sambia Roman
Wenig Kinderbücher von sambischen Autoren oder in sambischen Sprachen | Foto von IIONA VIRGIN

Nach den Erfolgen ihrer Kinderbücher, konnte Banda-Aaku sich von den Richtlinien der Pädagogen freimachen. Sie entschieden bis dahin, was “geeignete” Bücher waren. Sie wollte nicht mehr schreiben, was die Menschen in Sambia lesen sollten, sondern was sie interessierte: Dreidimensionale, ambivalente Charaktere mit teils schlechtem Urteilsvermögen und unverfälschten Themen aus dem urbanen authentischen Sambia.

Diese Authentitzität setzt sie in ihrem Debütroman “Patchwork” um, für den sie den Penguin Prize for African Writing erhielt. Der Preis hebt Werke vom afrikanischen Kontinent hervor und möchte damit neue afrikanische Belletristik mehr Lesern zugänglich machen.


Patchwork-Familie

Im Roman geht es um das neunjährige Mädchen “Pumpkin”, das bei seiner alleinerziehenden Mutter Totela am Rande von Sambias Hauptstadt Lusaka aufwächst. Totela war 18, als sie Pumpkin zur Welt brachte. Neun Jahre wartete sie nach der Geburt darauf, dass der Vater Teil der Familie werden würden. Doch die unerfüllte Hoffnung lässt sie schließlich zur Flasche greifen. Pumpkin kümmert sich um ihre Mutter: Sie geht für sie zum Schnapsladen um die Ecke, lässt ihr Bäder ein und achtet darauf, dass der Herd nachts aus ist…

Sambia Lusaka
Lusaka | Bild von Michael Nkhoma

Ihr wohlhabender Vater „Tata“ lebt mit seiner Frau und einer Handvoll Söhnen auf einer Farm. Er stammt aus dem Volk der Luvale und kandidiert später für die Präsidentschaft des Landes. Seinen Reichtum hat er sich selbst und hart erarbeitet. Als Pumpkin die Trinksucht ihrer Mutter nicht mehr verstecken kann, holt er das Mädchen zu sich auf die Farm. Hier beginnt für Pumpkin ein ganz anderes Leben. Die Freude über den neuen Hausgast hält sich bei der Stiefmutter in Grenzen und Pumpkin versucht, das Beste aus der Situation zu machen.

Sambia Landschaft
Landschaft in Sambia | Bild von David Mark

Doch die uneheliche Tochter ist auch nicht gerade immer sympathisch. Sie stiehlt und lügt. Ohne mit der Wimper zu zucken, bringt sie Nachbarn, Freunde und Familienmitglieder in Schwierigkeiten. Die Hausangestellte Sissy aus Simbabwe nimmt Pumpkin auf Tatas Farm unter ihre Fittiche:

"Aha! Denn wenn du einen Fehler machst, besserst du ihn aus. Du machst denselben Fehler noch einmal und besserst ihn aus. Ein drittes Mal und du besserst ihn wieder aus. Und was ergibt das dann? Ein großes chaotisches Patchwork, das jedem sofort ins Auge springt. Ist es das, was du willst?"

Sissy

Der Roman erzählt von drei Generationen Frauen und deren Leben, ihrem Neid, Hass und ihren Entbehrungen. Für Pumpkin begann der Flickenteppich (das Patchwork) ihrer Probleme, als ihre Großmutter, Totelas Mutter, sie einen “schlechten Samen” nannte. Totela vergeht in ihrer jungen, alleinerziehenden Lage und Großmutter Ponga hasst Pumpkins Vater aus ungeklärten Gründen mehr als Totela ihn liebt.


Über Sambia

Ehemaliges Nordrhodesien

Die Hunderasse Rhodesian Ridgeback, Danny Archer in Blood Diamond und die Fürstin Charlène von Monaco haben eins gemeinsam: Sie kommen aus der ehemaligen britischen Kolonie Rhodesien. Diese bestand aus zwei Teilen: Nordrhodesien (heute Sambia) und Südrhodesien (heute Simbabwe). Großbritanniens Interesse galt vor allem den Rohstoffen des Landes, insbesondere Kupfer und Edelsteinen.

Smaragdminen in Sambia

Benannt wurden die Kolonien nach dem britischen Unternehmer Cecil Rhodes. 1888 gründete er die Diamantenfirma De Beers, die auch im Roman aus Südafrika Thema ist. Die De Beers Group gehört zu den größten Diamantenproduzenten der Welt.

Grüne Konkurrenz bekommt die De Beers Group von der Gemfields Group, die in Sambia Smaragde (und in Mosambik Rubine) produziert. Die Kagem Emerald Mine im südlichen Teil Sambias gilt als größte Smaragdmine der Welt. Die Lizenz zum Abbau von Smaragden wurde Ende 2019 um 25 Jahre verlängert.

Die Kagem Mine liegt im zentralafrikanischen Copperbelt (Kupfergürtel), der sich in Sambia und der Demokratischen Republik Kongo befindet. Der Copperbelt zählt nach Gebieten in Südafrika als größte Industrieregion Subsahara-Afrikas. Wie der Name schon verrät, werden hier überwiegend Kupfer, aber auch andere Metalle gewonnen.

Unabhängigkeit 1964

Ab 1930 kam es häufiger zu Unruhen und Streiks in der Minen-Region. Es arbeiteten praktisch nur Afrikaner aus verschiedenen Bantu-Völkern im Kupferbergbau. Die Europäer bildeten die Oberschicht und dominierten die Bantu-Völker. Außerdem wurden die Briten im damaligen Rhodesien von der Apartheid in Südafrika beeinflusst. Die Bantu-Völker begannen, um gleiche Rechte zu kämpfen und erlangten 1964 die Unabhängigkeit.

Südrhodesien hatte es schwieriger. Nachdem Nordrhodesien 1964 unabhängig wurde, deklarierte auch Südrhodesien seine Unabhängigkeit als neue Republik Rhodesien. Allerdings hat dies kaum ein Land, vor allem nicht Großbritannien, anerkannt. Nach mehreren Konferenzen über fast zwei Jahrzehnte wurde Südrhodesien schließlich 1980 als Republik Simbabwe unabhängig.

Diese Ausgabe erschien 2014 beim Verlag Das Wunderhorn in Heidelberg.
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