Togo: Reise in die weiße Wüste aus Schnee und Eis

Ein Afrikaner in Grönland

Tété-Michel Kpomassie brach 1957 als 16-Jähriger von Togo auf nach Grönland. Wir durchqueren mit ihm Westafrika von Togo bis nach Dakar, reisen über Marseille und Bonn nach Kopenhagen und gelangen schließlich an die lang ersehnte Westküste Grönlands.

"Nicht auf die Reise kommt es an, sondern auf den Reisenden."
Sprichwort

Im Vorwort schreibt der Arktisforscher Jean Malaurie, Kpomassie habe als einer der ersten Afrikaner mit dunkler Hautfarbe den eisigen Boden Grönlands betreten. Seine Ankunft war eine Sensation für die Inuit, die sogar im Radio verkündet wurde. Später nahm die BBC Kpomassie auf in die Reihe Witness History, in dessen Episode er selbst von seinen Erlebnissen spricht. Im Roman erzählt er, was einen 16-Jährigen Togolesen dazu bringt, alleine die Reise bis zum Nordpol anzutreten.

Schlangenkult in Togo

Als Junge kletterte er in Togo auf eine Kokospalme, um die Früchte zu ernten. Als er oben in der Palme sitzt, bemerkt er eine Schlange und fällt panisch runter. Zur Heilung bringt sein Vater ihn zu einer Schlangenpriesterin in den Dschungel. Der Junge soll einige Jahre hier mit den Schlangen verbringen.

Kpomassie gehört zum Volk der Mina, die den Python wie keine andere Schlangenart verehrt. Der Python verbindet für sie den Himmel mit der Erde, bewegt sich wie die Wellen und trägt die Sterne als Punkte auf dem Rücken. Sie nennen ihn togbé, Großvater. Er darf unter keinen Umständen getötet und gegessen werden.

Nichts liegt ihm ferner, also flieht er in das Land, in dem es ganz sicher keine Schlangen gibt: nach Grönland. Kpomassie reiste über ein Jahrzehnt von einem Ort zum nächsten. Er suchte sich auf dem Weg in den verschiedenen Orten Arbeit, studierte die Sprachen und lernte die Menschen kennen.

Der Schlangenkult beinhaltet unzählige Mythen, die so alt oder älter sind als die Geschichte der Schlange, die Eva im Paradies die Frucht vom Baum der Erkenntnis reicht. In Westafrika sind der Königspython und der Nördliche Felsenpython verbreitet. Wie alle Pythons sind sie ungiftige Würgeschlangen und töten ihre Beute durch das Umschlingen.

Togo Python
Der Königspython gilt mit max. 2 m Länge als eine der kleinsten Pythonschlangen. | Foto von David Clode

In Westafrika gibt es auch die sehr giftige Grüne Mamba, die ähnlich aussieht wie der Grüne Baumpython, der allerdings in Neuguinea und den Inseln vor Australien vorkommt.

Mamba Togo
Der grüne Baumpython und die grüne Mamba sind leicht zu verwechseln. | Foto von Stefan Korbion

Südgrönland

Kpomassie kommt am Kap Farvel im Süden Grönlands an. Das Kap gilt als eine der stürmischsten Gegenden der Welt, weshalb Schiffe einen Sicherheitsabstand von mehreren Meilen zur Küste halten müssen. Nach einem Aufenthalt reist er weiter im Westen die Küste hoch in den Norden. Kpomassie möchte Jäger werden und im Süden sind die meisten Menschen Fischer.

Julianehab Grönland
Anlaufstelle: Qaqortoq (dänisch: Julianehåb) im Süden Grönlands | Foto von Bodil Lundahl

Weiter geht es in die Hauptstadt Nuuk. Sie ist mit fast 20.000 Einwohnern die mit Abstand größte Stadt Grönlands und kulturelles Zentrum. Es ist die einzige Stadt des Landes, die so groß ist, dass sie sich in Stadtteile gliedert. Nuuk wurde 1728 von dem Norwegen Hans Egede als Stützpunkt der Kolonie Dänemark-Norwegen erklärt. 1953 war Grönland keine Kolonie mehr und seit 1979 verwaltet es sich innenpolitisch selbst, außenpolitisch wird es von Dänemark verwaltet.

Nuuk
Die Hauptstadt Nuuk (dänisch Godthåb) bei Nacht | Foto von Aningaaq Rosing Carlsen

Westgrönland

Im dritten Teil des Romans lässt Kpomassie Südgrönland hinter sich und begibt sich weiter in die schnee- und eisbedeckten Regionen. In Ilulissat und Oqaatsut im Westen wird es Anfang November um 11 Uhr hell und um 16 Uhr brennt bereits wieder das Licht in den Häusern. Da das Blut der Waaljagd weitläufig im Schnee versickert, wurde die Gegend auch die “Rote Bucht” genannt.

"Sage mir, was du isst und ich sage dir, wer du bist."
Sprichwort
Ilulissat-Eisfjord
Der Ilulissat-Eisfjord in Westgrönland ist 40 km lang un 7 km breit | Foto von Tina Rolf

Je weiter nördlich er reist, desto zugefrorener ist die Gegend und desto dunkler wird es. Im Dezember kann er um 14 Uhr ohne Lampe nichts sehen. Die Sonne soll in diesem Teil der Arktis erst Ende April/Anfang Mai wieder richtig zurückkehren. Die Dunkelheit und das Eis erschweren den Fischfang und die Robbenjagd. Wer nicht genug Vorräte gesammelt hat, hofft auf ein Aufbrechen des Eises, was die Robben in die Bucht treibt.

Trotz der Faszination mit der Natur und Lebensweise Grönlands, bleibt es bei ihm aber auch nicht aus, Vergleiche zwischen Afrika und Grönland zu ziehen. Er schreibt zum Beispiel über die stolzen Afrikanerinnen, die langsam und würdevoll über den Markt schreiten. Und er kann definitiv nicht glauben, dass die stolzen Patriarchen Togos ihren Lebensabend in einem Altersheim verbringen würden – wie er es in Europa erlebte.

Diese Ausgabe erschien 1992 in der Serie Abenteuer des Piper Verlags in München.

2 Gedanken zu „Togo: Reise in die weiße Wüste aus Schnee und Eis“

    1. Hi Zoe,
      da der Roman “Ein Afrikaner in Grönland” von Kpomassie ziemlich alt ist – in Antiquariaten oder zum Beispiel auf ZVAB.com (Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher). Ihre Buchhandlung um die Ecke kann Ihnen das Buch bestimmt auch bestellen.
      Liebe Grüße!

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