Sahara

Romane aus der Sahara

Die Wüste hat mich schon gepackt, bevor ich überhaupt angefangen habe, afrikanische Romane zu sammeln. Diese Vorstellung von endloser Weite, von Stille, Wind und Sand, der alles langsam verschwinden lässt. Deshalb heißt der Blog auch „54 Sandkorn“. Die 54 stehen für die Länder Afrikas, die Sandkörner für die Geschichten. Irgendwann habe ich angefangen zu denken: Romane aus Afrika gibt es wie Sand in der Sahara. Natürlich ist das übertrieben. Aber je länger man sucht, desto mehr merkt man, wie viele Stimmen und Geschichten dort draußen liegen, von denen man vorher nie etwas gehört hat.

 

Besonders Bücher, die in der Sahara spielen, kriegen mich sofort. Geboren mit Sand in den Augen von Mano Dayak war so ein Roman. Manche Bücher liest man einfach nur, andere ziehen einen hinein wie eine Landschaft. Plötzlich sitzt man gedanklich irgendwo zwischen Dünen, Geröll und Himmel. Menschen ziehen tagelang durch die Wüste, orientieren sich an Sternen, am Wind oder einfach an Erfahrung. Ohne Smartphone, ohne GPS, ohne westliche Technik — denn dort draußen hilft einem das alles gar nichts. In der Sahara zählt etwas anderes: zu wissen, wo Wasser sein könnte. Wie lange ein Tier noch durchhält. Wie man weitergeht, obwohl alles gleich aussieht.

 

Und natürlich taucht die Sahara heute in vielen Romanen auch als Ort der Flucht auf. Aber selbst da reden wir hier oft erst über das Mittelmeer, über Politik, Grenzen oder den nächsten Rechtsruck. Dabei liegt davor noch diese riesige Wüste. Dieses echte Überleben. Tage ohne Wasser. Menschen, die verschwinden. Fahrer, denen man ausgeliefert ist. Irgendwann vergisst man beim Lesen die großen politischen Wörter, weil plötzlich nur noch die Reise übrig bleibt. Und die Frage, was ein Mensch eigentlich schon alles hinter sich haben muss, bevor er überhaupt das Meer erreicht. Wer traut sich schon in die Sahara?

 

Vielleicht faszinieren mich diese Romane deshalb so sehr. Manche Gegenden bestehen aus Dünen, andere nur aus Stein, schwarzem Fels und endlosen Ebenen, auf denen stundenlang nichts auftaucht. Die Sahara ist so groß, dass mehrere Länder in ihr verschwinden könnten. Und irgendwo darin ziehen seit Jahrhunderten Menschen ihre Routen — mit Tieren, Erinnerungen und Geschichten im Kopf.