Zum Inhalt springen

Gegenwartsliteratur

Gegenwartsliteratur aus Afrika und von afrikanischen Autoren

David Diop Nachts ist unser Blut schwarz

David Diop: Nachts ist unser Blut schwarz

Deep-Dive von David Diop in die Geschichte der Senegalschützen im Ersten Weltkrieg. Nachts ist unser Blut schwarz. Egal, ob blauäugiger Deutscher oder Westafrikaner in Frankreichs Armee – nachts ist jedes Blut schwarz. Nur die Machete macht einen Unterschied.

Alfa ist zwanzig, als ein französischer Offizier ihm ein Gewehr für die eine Hand und eine Machete für die andere gibt. Als „Schokosoldat“ soll er den deutschen Gegnern damit Angst einjagen. Um wilder zu wirken, müssen alle Senegalschützen eine Machete tragen.

Erst feiern die Franzosen und anderen Senegalschützen Alfa, wie er blutverschmiert am Abend als Letzter in den Schützengraben zurückkehrt. Die abgehackte Hand des Gegners in seiner Hand belustigt sie. Denn sie wissen ja nur, dass Alfa immer als Letzter zurückkommt. Den Schock in den aufgerissenen, blauen Augen erlebten sie nicht. Aber je mehr Hände Alfa ins Camp trägt, desto skeptischer werden sie.

Weiterlesen »David Diop: Nachts ist unser Blut schwarz
Bücher aus Afrika: Abdellah Taia

Abdellah Taïa: Der Tag des Königs

Abdellah Taïa hat sich 2006 als erster marokkanischer Autor geoutet. Vier Jahre später veröffentlicht er im Exil die Geschichte der Jungen Omar und Khalid. Sie ist emotional so gelungen wie die über Amir und Hassan in Drachenläufer.

Die Geschichte spielt an drei Tagen im Juni 1987. Marokko ist seit dreißig Jahren unabhängig von Frankreich und wird von König Hassan II. regiert. Der 14-jährige Erzähler Omar ist begeistert vom König und wäre am liebsten am Hof des Königs als Spaßmacher angestellt. Nachts hat er immer wieder denselben Traum: Er trifft den König. Später kehrt genau diese Chance, den König zu treffen, zurück … aber nicht für Omar. Das ist die Stelle im Roman, in der er seine Gefühle komplett sortiert und Nägel mit Köpfen macht. Abdellah Taïa trifft genau die richtigen Worte und schenkt sie einem 14-Jährigen.

Weiterlesen »Abdellah Taïa: Der Tag des Königs
Bücher aus Afrika: Rafiki

Meja Mwangi: Rafiki

Rafiki, mein Freund! Oder doch nicht? Ich glaub, ich hab einen neuen Lieblingsautor: Meja Mwangi aus Kenia. Seinem Pantoffelhelden Rafiki folgt man einfach gerne durch die Slums von Nanyuki – als Pfänder für Elektrogeräte wie früher die GEZ.

Mwangi schreibt über seine Heimatstadt Nanyuki, am Rande des Mount-Kenya. Das Bergmassiv in der Mitte Kenias ist mit bis zu 5.199 Metern das zweitgrößte in Afrika. Das höchste Bergmassiv in Afrika ist der Kilimandscharo in Tansania mit bis zu 5.895 Metern.

Weiterlesen »Meja Mwangi: Rafiki
Abdulrazak Gurnah Das verlorene Paradies

Abdulrazak Gurnah: Das verlorene Paradies

Plötzlich Nobelpreisträger: Abdulrazak Gurnah war für viele eine Überraschung und auch in Deutschland wartete man auf die Neuauflage. Die Geschichte um den Jungen Yusuf führt kreuz und quer durchs koloniale Tansania, doch das Paradies ist längst verloren. 

Vor seinem Nobelpreis sagte mir Abdulrazak Gurnah (auch) nichts. Ich habe auch nicht damit gerechnet, dass der Literaturnobelpreis 2021 nach Afrika geht. Falls doch, dann eventuell an Ngũgĩ wa Thiong’o aus Kenia, weil er schon seit einem Jahrzehnt als nächster Kandidat gehandelt wird, dachte ich. Jetzt bekam ihn jedoch erst Abdulrazak Gurnah „für sein kompromissloses und mitfühlendes Durchdringen der Auswirkungen des Kolonialismus und des Schicksals des Flüchtlings in der Kluft zwischen Kulturen und Kontinenten.“

Weiterlesen »Abdulrazak Gurnah: Das verlorene Paradies
Roman aus Simbabwe

Petina Gappah: Die Farben des Nachtfalters

Ein spannender Roman aus Simbabwe, der tief ins Land blicken lässt. In „Die Farben des Nachtfalters“ erzählt Petina Gappah die Geschichte einer Frau mit Albinismus, die zum Tode verurteilt in Simbabwes Hochsicherheitsgefängnis Chikurubi sitzt.

Die Autorin Pettina Gappah wurde 1971 im damaligen Rhodesien geboren, studierte Rechtswissenschaften in Harare, London und Graz und arbeitete als Anwältin in der Schweiz. Heute gilt sie als simbabwische Schriftstellerin. Sie selbst sei erst im Ausland zur Afrikanerin geworden – und nach der Unabhängigkeit 1980 zur Simbabwerin. In Simbabwe selbst war sie immer eine Shona.

Weiterlesen »Petina Gappah: Die Farben des Nachtfalters
Sambia Roman

Ellen Banda-Aaku: Patchwork

Ellen Banda-Aaku aus Sambia hat es sich zur Aufgabe gemacht, Charaktere besonders authentisch zu schreiben. In „Patchwork“ von 2011 erzählt ein neunjähriges Mädchen, das nicht immer sympathisch ist. Und das lügen kann, dass sich die Balken biegen.

Ellen Banda-Aaku begann ihre Autorenkarriere erst relativ spät mit fast 40 Jahren. Ihr erstes Buch veröffentlichte sie 2004. Grund dafür war, dass es keine schriftstellerischen sambischen Vorbilder für sie gab. In einem Interview erklärt sie, dass sie zwar Zugang zu vielen Büchern hatte, darunter auch afrikanische aus Südafrika, Nigeria und Kenia… Aber sambische Schriftsteller und Schriftstellerinnen waren nicht sichtbar.

Weiterlesen »Ellen Banda-Aaku: Patchwork
Tor der Tränen

Abdourahman Waberi: Tor der Tränen

Eine Wahnsinnsgeschichte rund um das Tor der Tränen in Dschibuti – einem kleinen Land, das man nicht unbedingt auf dem Schirm hat. Hat man es doch, kreisen einem Schlagwörter um den Kopf wie Piraten ums Horn von Afrika. 

Der erste Teil des Romans handelt von den Teufelsinseln im Ghoubbet-el-Kharab am Golf von Tadjoura und neben dem Assalsee. Der zweite Teil behandelt das Tor der Tränen (Bab al-Mandab), eine 27 Kilometer breite Meerenge zwischen Dschibuti und dem Jemen. Die geplante Bridge of Horns sollte die beiden Länder verbinden, aber seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs im Jemen wurde sie nicht weiter gebaut. Das Schöne an „Tor der Tränen“ ist, dass man am Ende über all diese Dinge informiert ist und das aus zwei sehr unterschiedlichen Sichtweisen.

Weiterlesen »Abdourahman Waberi: Tor der Tränen
Cookie Consent mit Real Cookie Banner