Djaïli Amadou Amal: Im Herzen des Sahel

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„Die Stadt. So ein Unglück! Ist unser Leben so trostlos, dass wir uns alle früher oder später nach ihr sehnen?“ 

Djaïli Amadou Amal zeigt in Im Herzen des Sahel etwas, das im Roman oft fehlt: wie Armut Menschen langsam dazu zwingt, ihre Würde zu verkaufen. Faydé geht nicht in die Stadt, weil sie Abenteuer sucht, sondern weil Hunger stärker ist als Angst.

Nach einem Boko-Haram-Angriff bleibt ihrer Familie im Dorf nichts mehr außer Hoffnung auf Geld. Also arbeitet sie als Hausmädchen bei reichen Familien in Maroua – genau dort, wo ihre Mutter einst selbst abhängig und ausgeliefert war.

„Wer hätte gedacht, dass dieses einfache, nach uralten Traditionen ausgerichtete Landleben eines Tages zum Luxus werden würde?“

Das Interessante am Roman ist nicht die Handlung allein, sondern die ständige Spannung zwischen Reichtum und Mangel. Während die Oberschicht Essen wegwirft, zerbrechen andere fast daran, es im Müll zu sehen:

„Jedes Mal, wenn sie Lebensmittel im Müll findet, bricht ihr diese Verschwendung das Herz.“

Amadou Amal schreibt dabei nicht von „Afrika“ als Klischee, sondern sehr konkret über den Norden Kameruns: über Wasserknappheit, Boko Haram, Hausangestellte, patriarchale Familien und junge Frauen, die wirtschaftlich kaum eine Wahl haben. Genau dadurch wirkt der Roman so echt. Niemand wird romantisiert.

Besonders stark ist auch, wie die Stadt dargestellt wird. Für die Armen bedeutet sie gleichzeitig Rettung und Gefahr:

„Durchatmen und um jeden Preis überleben. Ihr Pflichtbewusstsein ist stärker als der Wunsch, sich einfach nur hinzulegen und aufzugeben.“

Der Roman lebt von solchen Widersprüchen. Menschen sehnen sich nach Wohlstand und verlieren dabei oft Sicherheit, Familie oder sich selbst. Genau deshalb bleibt Faydés Geschichte hängen: weil sie zeigt, wie schnell Armut Menschen in Abhängigkeit drängt – und wie wenig Freiheit viele Frauen tatsächlich haben.

Für ihre Romane und ihr Engagement für Frauen in der Sahel-Zone wurde Amadou Amal im vergangenen Jahr die Ehrendoktorwürde der Sarbonne verliehen. Ihr wohl bekanntester Roman „Die ungeduldigen Frauen“ ist seit 2021 Pflichtlektüre an Kameruns Gymnasien. Er handelt von Zwangsehen, häuslicher Gewalt und der Unterdrückung der Frau – Themen, die Amadou Amal aus persönlicher Erfahrung kennt. „Alles, was diese Frauen erleben, habe auch ich erlebt. Wir alle haben das erlitten.“, sagt sie im Interview mit der TAZ.


Diese Ausgabe erschien 2023 bei der Orlanda Verlag GmbH in Berlin. Das Original Coeur du Sahel erschien 2022 bei Emmanuelle Collas in Frankreich.


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