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Alena

Yambo Ouologuem Das Gebot der Gewalt

Yambo Ouologuem: Das Gebot der Gewalt

Was mich an diesem Roman aus Afrika am meisten interessiert, sind seine Seltenheit und Skandale. Yambo Ouologuem veröffentlichte 1968, nur acht Jahre nach der Unabhängigkeit Malis, ein umstrittenes Buch, das Afrika nicht als Opfer des Kolonialismus sieht. 

Wie passt das zusammen? So kurz nach dem Ende der französischen Kolonialherrschaft, mitten in der postkolonialen Debatte, veröffentlicht ein Autor aus Mali eine Sage über „Das Gebot der Gewalt“ in Afrika. Frankreich ist begeistert und verleiht Yambo Ouologuem noch im gleichen Jahr – mit nur 28 Jahren und als erstem afrikanischen Autor – den bewährten Prix Renaudot. Er wurde schon als afrikanischer Proust gefeiert, aber kurz darauf fällt das Kartenhaus in sich zusammen.

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David Diop Nachts ist unser Blut schwarz

David Diop: Nachts ist unser Blut schwarz

Deep-Dive von David Diop in die Geschichte der Senegalschützen im Ersten Weltkrieg. Nachts ist unser Blut schwarz. Egal, ob blauäugiger Deutscher oder Westafrikaner in Frankreichs Armee – nachts ist jedes Blut schwarz. Nur die Machete macht einen Unterschied.

Alfa ist zwanzig, als ein französischer Offizier ihm ein Gewehr für die eine Hand und eine Machete für die andere gibt. Als „Schokosoldat“ soll er den deutschen Gegnern damit Angst einjagen. Um wilder zu wirken, müssen alle Senegalschützen eine Machete tragen.

Erst feiern die Franzosen und anderen Senegalschützen Alfa, wie er blutverschmiert am Abend als Letzter in den Schützengraben zurückkehrt. Die abgehackte Hand des Gegners in seiner Hand belustigt sie. Denn sie wissen ja nur, dass Alfa immer als Letzter zurückkommt. Den Schock in den aufgerissenen, blauen Augen erlebten sie nicht. Aber je mehr Hände Alfa ins Camp trägt, desto skeptischer werden sie.

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Bücher aus Afrika: Abdellah Taia

Abdellah Taïa: Der Tag des Königs

Abdellah Taïa hat sich 2006 als erster marokkanischer Autor geoutet. Vier Jahre später veröffentlicht er im Exil die Geschichte der Jungen Omar und Khalid. Sie ist emotional so gelungen wie die über Amir und Hassan in Drachenläufer.

Die Geschichte spielt an drei Tagen im Juni 1987. Marokko ist seit dreißig Jahren unabhängig von Frankreich und wird von König Hassan II. regiert. Der 14-jährige Erzähler Omar ist begeistert vom König und wäre am liebsten am Hof des Königs als Spaßmacher angestellt. Nachts hat er immer wieder denselben Traum: Er trifft den König. Später kehrt genau diese Chance, den König zu treffen, zurück … aber nicht für Omar. Das ist die Stelle im Roman, in der er seine Gefühle komplett sortiert und Nägel mit Köpfen macht. Abdellah Taïa trifft genau die richtigen Worte und schenkt sie einem 14-Jährigen.

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Bücher aus Afrika: Chiquinho

Baltasar Lopes: Chiquinho

Ich mag alte Romane aus Afrika sehr. Als Baltasar Lopes 1907 auf Kap Verde zur Welt kommt, wird gerade das Telefon salonfähig. 1947 veröffentlicht er seinen einzigen Roman „Chiquinho“, der als bedeutendster von den Kapverdischen Inseln gilt.

Solche alten Bücher aus Afrika sind eine ziemliche Rarität. In der Zeit der Kolonialisierung wurden nur wenige Romane aus Afrika veröffentlicht und dieser ist einer von ihnen. Das ist genau das, was den Roman für mich im Kern ausmacht. Während es immer mehr moderne Bücher und Gegenwartsliteratur aus Afrika auf dem Markt gibt, sind Romane wie „Ein Afrikaner in Grönland“ von 1981 und dieser Roman von 1947 vergriffen oder werden nicht mehr herausgegeben. Umso schöner, wenn man noch einen alten Fund abgreifen kann.

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Bücher aus Afrika: Rafiki

Meja Mwangi: Rafiki

Rafiki, mein Freund! Oder doch nicht? Ich glaub, ich hab einen neuen Lieblingsautor: Meja Mwangi aus Kenia. Seinem Pantoffelhelden Rafiki folgt man einfach gerne durch die Slums von Nanyuki – als Pfänder für Elektrogeräte wie früher die GEZ.

Mwangi schreibt über seine Heimatstadt Nanyuki, am Rande des Mount-Kenya. Das Bergmassiv in der Mitte Kenias ist mit bis zu 5.199 Metern das zweitgrößte in Afrika. Das höchste Bergmassiv in Afrika ist der Kilimandscharo in Tansania mit bis zu 5.895 Metern.

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Abdulrazak Gurnah Das verlorene Paradies

Abdulrazak Gurnah: Das verlorene Paradies

Plötzlich Nobelpreisträger: Abdulrazak Gurnah war für viele eine Überraschung und auch in Deutschland wartete man auf die Neuauflage. Die Geschichte um den Jungen Yusuf führt kreuz und quer durchs koloniale Tansania, doch das Paradies ist längst verloren. 

Vor seinem Nobelpreis sagte mir Abdulrazak Gurnah (auch) nichts. Ich habe auch nicht damit gerechnet, dass der Literaturnobelpreis 2021 nach Afrika geht. Falls doch, dann eventuell an Ngũgĩ wa Thiong’o aus Kenia, weil er schon seit einem Jahrzehnt als nächster Kandidat gehandelt wird, dachte ich. Jetzt bekam ihn jedoch erst Abdulrazak Gurnah „für sein kompromissloses und mitfühlendes Durchdringen der Auswirkungen des Kolonialismus und des Schicksals des Flüchtlings in der Kluft zwischen Kulturen und Kontinenten.“

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Niger Mano Dayak

Mano Dayak: Geboren mit Sand in den Augen

Einer der schönsten Romane, die ich seit langem gelesen habe! Mano Dayak aus Niger war Tuareg und erzählt von seinem Aufwachsen in der Wüste, seiner Reise durch die Ténéré und wie er zum Friedensaktivist seines Volkes wurde.

Mano wurde 1950 zwischen dem Jahr der Trockenheit und dem der Heuschreckenplage geboren. Er wächst in Tidène am Rand des Aïr-Gebirges (bis zu 2022 m hoch) mitten in der Wüste Ténéré auf. Die ersten sechs Jahre seines Lebens läuft er wie alle anderen Kinder, die in der Ténéré aufwachsen, nackt herum. Der Körper und die Haut müssen sich an stechende Temperaturen von 35° bis 48° im Juni und -5° bis 25° im Januar gewöhnen.

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Romane aus Afrika: Soyinka

Soyinka: Neuer Roman nach 48 Jahren

Nach fast 50 Jahren veröffentlichte Wole Soyinka, der erste afrikanische Nobelpreisträger für Literatur, im Oktober seinen dritten und neuen Roman: “Chronicles From the Land of the Happiest People On Earth” gilt als brillant, aber schwer zu lesen. 

2021 war ein sehr erfolgreiches Jahr für afrikanische Schriftsteller. Abdulrazak Gurnah aus Tansania erhielt den Literaturnobelpreis, David Diop aus dem Senegal den Internationalen Booker Prize, Mohamed Mbougar Sarr (ebenfalls aus dem Senegal) den französischen Prix Goncourt und Damon Galgut aus Südafrika den Booker Prize. Außerdem erhielt Tsitsi Dangarembga aus Simbabwe den Friedenspreis des deutschen Buchhandels.

Zusätzlich sorgt der neue Roman von dem ersten afrikanischen Literaturnobelpreis (1986) für Aufruhr. Sein Roman “Chronicles from the Land of the Happiest People On Earth” gilt als brillant, aber schwer zu lesen. Und das merkt man auch. Als der Roman Ende Oktober im englischen Original erschien, hatte ich ihn mir vorbestellt und dann schon im Briefkasten. Mein Englisch ist eigentlich nicht so schlecht, aber in den Roman bin ich leider kaum reingekommen.

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Die Spur des Bienenfressers

Nii Parkes: Die Spur des Bienenfressers

“Die Spur des Bienenfressers” ist ein spannender, kurzer Krimi aus Ghana. Nii Parkes lässt den Fall auf zwei Arten lösen: Offiziell ermittelt der ausgebildete, moderne Kayo aus der Hauptstadt, doch er braucht die Hilfe des traditionellen Opanyin.

Nii Parkes wurde 1974 in England geboren, seine Eltern sind ghanaisch und er wuchs in Ghana auf. „Die Spur des Bienenfressers“ ist sein erster Roman und erschien 2009 in London. Neben Romanen schreibt Parkes Kurzgeschichten, Poetry, Liedtexte und Rap. Zwei seiner Onkel, Kofi Awoonor und Frank Kobina Parkes, waren ebenfalls Schriftsteller.

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