Alle Romane

Wie Bücher leere Karten verändern
Irgendwann habe ich angefangen, Romane aus Afrika zu sammeln. Nicht mit einem großen Plan dahinter, eher aus Neugier. Wenn man bei Google nach Romanen aus Mali sucht, merkt man schnell, wie wenig man eigentlich weiß. Im Kopf sind da zuerst nur Bilder von Wüste, Hitze und endloser Leere. Niger, Tschad, Mali — riesige Länder irgendwo mitten in der Sahara. Mehr wusste ich lange nicht darüber.

Aber je mehr ich gelesen habe, desto mehr verschwanden diese leeren Karten im Kopf. Plötzlich waren da Wege, Stimmen und kleine Szenen. Menschen, die tagelang durch die Sahara ziehen. Kinder, die zwischen Kamelen aufwachsen. Abends wird Tee gekocht, und während der Wind über den Sand geht, erzählen die Älteren Geschichten, damit die Nacht kürzer wird. Viele dieser Romane erklären ihre Welt nicht groß. Sie erzählen einfach. Langsam. So, als würde jemand neben einem sitzen.

Und manchmal bleibt dann ein einziges Bild hängen. Zum Beispiel diese Akazie im Niger. Jahrzehntelang stand sie allein mitten in der Wüste, weit und breit kein anderer Baum. Nomaden, Händler und Reisende kannten sie alle. Wer die Akazie sah, wusste, dass er noch auf dem richtigen Weg war. Die Sonne, die Sandstürme und die Einsamkeit der Sahara konnten ihr nichts anhaben. Irgendwann wurde sie dann ausgerechnet von einem angeblich betrunkenen LKW-Fahrer umgefahren. Der Baum war so bekannt, dass man seine Überreste später nach Niamey brachte und dort ausstellte.

Vielleicht mag ich diese Geschichte gerade deshalb so sehr, weil sie selbst wie aus einem Roman wirkt. Ein einzelner Baum mitten im Nichts, an den sich Menschen erinnern, weil er ihnen einmal den Weg gezeigt hat.